Delir und seine Symptome

Illustration mit den Symptomen eines Delirs

Wenn der Kopf plötzlich verwirrt ist – Ein Leitfaden für Betroffene und Angehörige.

Wenn ein Mensch plötzlich völlig verwirrt ist, desorientiert wirkt oder sich stark verändert, sprechen Mediziner oft von einem Delir (auch Delirium genannt). Für Außenstehende ist dieser Zustand, der sich meist innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen entwickelt, erschreckend. Es ist entscheidend zu wissen: Ein Delir ist eine akute, körperlich bedingte Störung des Gehirns und stellt immer einen medizinischen Notfall dar, der sofort behandelt werden muss.

Was genau passiert bei einem Delir und wie unterscheidet es sich?

Ein Delir ist ein Zustand akuter Verwirrtheit und eingeschränkter Aufmerksamkeit. Stellen Sie sich vor, das Gehirn arbeitet plötzlich im Nebel. Die betroffene Person kann ihre Umgebung nicht mehr klar wahrnehmen, hat große Mühe, sich zu konzentrieren, und ihr Gedächtnis ist beeinträchtigt.

Ein Delir wird oft fälschlicherweise mit einer Demenz gleichgesetzt. Der wichtige Unterschied liegt jedoch im zeitlichen Verlauf: Während eine Demenz schleichend beginnt und chronisch verläuft, tritt ein Delir plötzlich auf und zeichnet sich durch seine Schwankungen aus. Die Symptome können im Tagesverlauf stark variieren – oft sind sie abends oder nachts am schlimmsten (Ärzte nennen dies manchmal „Sundowning-Phänomen”). Wichtig: Ein Delir kann vollständig geheilt werden, wenn die Ursache schnell erkannt und behandelt wird.

Die Gesichter des Delirs: So zeigen sich die Symptome

Die Anzeichen eines Delirs sind sehr unterschiedlich, weshalb es für Laien schwer zu erkennen ist. Um die Symptome besser einzuordnen, unterscheiden Ärzte zwei Hauptformen, die in ihrem Ausdruck kaum unterschiedlicher sein könnten.

Eine Form ist das hyperaktive Delir, welches meist sofort erkannt wird, da es mit massiver Unruhe einhergeht. Die Person wirkt übererregt und agitiert. Sie kann aggressiv werden, schreien, aus dem Bett steigen wollen oder ständig versuchen, Kabel oder Schläuche zu entfernen (sogenanntes Nesteln). Hinzu kommen häufig Halluzinationen, die für die betroffene Person sehr real wirken, sowie Wahnvorstellungen. Auch der Schlaf ist massiv gestört, da der Tag-Nacht-Rhythmus verschoben ist.

Viel tückischer ist das hypoaktive Delir, da es leicht übersehen wird oder fälschlicherweise als Erschöpfung oder Depression interpretiert wird. Hier fehlt die typische Unruhe. Die Person wirkt extrem träge, apathisch und müde. Sie zieht sich zurück, reagiert nur sehr verlangsamt auf Ansprache und ist den Großteil des Tages benommen oder schläfrig. Auch bei dieser stillen Form liegt eine akute Verwirrtheit und Orientierungsstörung vor, die aber wegen der fehlenden Aggressivität oft unerkannt bleibt.

Denken Sie daran: Oft wechseln die Symptome hin und her. Eine Person kann beispielsweise morgens träge sein und nachts hochgradig unruhig und verwirrt. Die genaue Beobachtung dieser Fluktuationen ist für das medizinische Personal sehr wichtig.

Die Suche nach der Ursache: Warum tritt ein Delir auf?

Ein Delir kommt nicht aus dem Nichts. Es ist immer ein Alarmsignal des Körpers. Das bedeutet, dass das Gehirn durch eine körperliche Belastung oder ein Ungleichgewicht gestresst ist. Die zugrunde liegende Ursache muss gefunden und behandelt werden, damit die Verwirrtheit verschwindet.

Zu den häufigsten Auslösern zählen Infektionen wie eine unerkannte Lungen- oder Harnwegsinfektion, die besonders bei älteren Menschen schnell zu Verwirrtheit führen kann. Auch ein massiver Flüssigkeitsmangel (Dehydratation) kann den wichtigen Salz- und Wasserhaushalt (Elektrolyte) durcheinanderbringen. Des Weiteren können Probleme mit Medikamenten, wie der Beginn oder das abrupte Ende der Einnahme bestimmter Schmerz- oder Beruhigungsmittel, ein Delir verursachen, ebenso wie Entzugserscheinungen (z. B. bei Alkohol). Ein Delir tritt nicht selten auch nach größeren Operationen auf (postoperatives Delir) oder ist die Folge von unzureichend gelinderten starken Schmerzen.

Was Sie als Angehöriger jetzt tun können (Sofortmaßnahmen)

Wenn Sie bei Ihrem Familienmitglied ein akutes Delir vermuten, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und sofortige Schritte einzuleiten. Rufen Sie umgehend den Notarzt (112), denn ein Delir ist ein medizinischer Notfall, der schnelle Abklärung erfordert.

Achten Sie auf die Sicherheit der betroffenen Person, gerade bei großer Unruhe, und entfernen Sie gefährliche Gegenstände. Am wichtigsten ist jedoch die Orientierungshilfe: Sprechen Sie ruhig, langsam und in kurzen, klaren Sätzen. Erinnern Sie die Person sanft daran, wo sie ist und welche Tageszeit herrscht. Stellen Sie eine große, gut sichtbare Uhr und einen Kalender bereit. Vermeiden Sie Konfrontationen bei Halluzinationen. Stattdessen sollten Sie die Gefühle der Person bestätigen („Ich sehe das nicht, aber ich verstehe, dass Sie jetzt große Angst haben”) und sie sanft ablenken.

Die Behandlung im Krankenhaus konzentriert sich primär auf die Beseitigung der Auslöser. Ist die Infektion besiegt oder der Elektrolythaushalt korrigiert, bildet sich das Delir in der Regel zurück.

Das Delir ist ein reversibler (umkehrbarer) Zustand akuter Verwirrtheit, der rasch ärztlich abgeklärt werden muss. Wenn Sie diese Symptome – vor allem die akute Veränderung und starke Schwankungen – beobachten, zögern Sie nicht, medizinische Hilfe anzufordern.

 

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